Erinnern! Nicht vergessen! Virtueller Gedenkstein

Ernst Bloch (Jahrgang 1890) war aktives SPD-Mitglied und ab 1930 1. Vorstand des Amberger Fußballvereins bis er durch die Nationalsozialisten aus dem Amt ge-drängt wurde. Bloch engagierte sich im Amberger Vereinsleben, im sozialen Wohnungsbau, er war Mitglied des Wohlfahrtsausschusses der Stadt In den 20er Jahren betrieb er in Haselmühl ein Werk für Baubeschläge. Im 1. Weltkrieg diente er als Offizier. Ab 1933 wohnte er mit seiner Frau Rosa und seinen Söhnen Wilhelm und Bruno in der Schlachthausstraße 12, wo er auch eine Schrotthandlung führte. Im März 1933 wurde er vermutlich aus politischen Gründen in der Fronfeste inhaftiert.

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Die Reichspogromnacht war Auftakt zum beispiellosen Vernichtungskrieg gegen Jüdinnen und Juden. Auch Amberg blieb davor nicht verschont. Die Amberger Synagoge wurde verwüstet und geplündert. Die Inneneinrichtung verbrannt oder zu Kleinholz geschlagen. Eine vollständige Zerstörung unterblieb, weil kein Sprengmaterial vorhanden war. Man konnte sie auch nicht abbrennen, da hierfür die Alarmierung der Feuerwehr zur Abschirmung der Brandstelle nötig gewesen wäre. Auch ein Abbruch war auch nicht möglich, da dies ein Unterfangen des Gemäuers erfordert hätte. So blieb das Gebäude bestehen.

Währenddessen wurden viele Jüdinnen und Juden in die Polizeiwache gebracht. Einige von ihnen wurden am Tag darauf zuerst ins Landgerichtsgefängnis in Regensburg und dann ins Konzentrationslager Dachau gebracht.

Zu ihnen gehörte auch Ernst Bloch.

In der Stadt gab es damals das Gerücht, dass Ernst Bloch zur Verhaftung seine Of-fiziersuniform aus dem 1. Weltkrieg angezogen hatte. Er wurde am 25.11.1938 aus Dachau entlassen. 1939 zog er mit seiner Frau nach Berlin. Von dort wollte er nach Argentinien flüchten. Dazu kam es nicht mehr. Er wurde am Brenner aufgegriffen und wegen Landesverrat zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Juni 1942 wurde er von der Haftanstalt Moabit in ein Kon-zentrationslager deportiert. Sein Schicksal ist ungewiss. Seine Frau Rosa wurde von 1939 bis 1941 in Regensburg inhaftiert, bevor sie über Theresienstadt nach Ausschwitz kam.

Beide wurde am 01.02.1945 für tot erklärt.

Stolpersteine in der Schlachthausstraße erinnern an sie. Auf der interaktiven „I-Rember Wall“ der Erinnerungsstätte für die Opfer des Holocaust Vad Vashem gedenkt der SPD-Stadtverband Amberg Ernst Blochs.

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Stadtverbandsvorsitzender Dieter Weiß: „Das beste Mittel gegen das Vergessen ist das Erinnern. Auch 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz und dem Sieg über den Nationalsozialismus ist der Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft gegenwärtig. Die Zahl der antisemitistischen Gewalttaten hat in den letzten Jahren zugenommen. Hass und Hetze machen sich wieder breit. Deshalb ist es wichtig an dieses finstere und grausame Kapitel der Deutschen Geschichte zu erinnern und die Opfer dieser Zeit nicht zu vergessen. “

Quelle für den Lebenslauf: Dieter Dörner: Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang 1933 – 1945 - 1950